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  Das Wirken

Der Komponist

Lehmann hat sich lange und manchmal vor allem als Komponist gesehen. Jedoch hat das Streben um das tägliche Brot oft etwas anderes verlangt. So kam der Dirigent in den Vordergrund. Aus seiner Biografie geht es an bestimmten Stellen deutlich hervor, das er und wie er am Komponieren gehangen hat. Er schreibt:

„Mit vierzehn, fünfzehn Jahren steht mein Ziel fest: Ich will ein großer Komponist werden.“

Und noch in seiner Zeit in Wiesbaden reflektiert er über seine Arbeit:

„Ich möchte doch – obwohl überzeugt, dass die technische Grundlage noch unzureichend ist – alle Zeit fürs Komponieren verwenden können: viele große, allzu große Pläne bedrängen mich.“

Letztendlich setzt sich jedoch die „Vernunft“ durch:

„Jetzt muss ich erst nachholen: So wie eben ausgemalt, war es in etwa die Art eines noch sehr jungen Mannes, der gottlob noch gerade rechtzeitig erkannte, dass er besser daran täte, die Finger vom Komponieren zu lassen. Der war ich selbst. Das Gute an dieser langatmigen Beschreibung aber ist, daß sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt, jedenfalls mit meiner und der einer ganzen Reihe wahrer Komponisten. Sie dachten, erdachten Musik in nicht unähnlicher Weise.“

Folgende Kompositionen von Lehmann lassen sich durch Recherche im Internet indirekt feststellen, ohne dass sie den Herausgebern vor Augen liegen oder gar im Ohr klingen:

Werkbezeichnung

Kommentar, Signatur

Quintett für Streichquartett und Horn. Klavierauszug → HS007908420
2 Blatt mit Widmung an den Vater
Fantasie für Flöte, Oboe, Englischhorn, Fagott, 2 Violinen, Bratsche, Violoncello und Kontrabass.Klavierauszug → HS007908387
2 Blatt mit Widmung an den Vater und seine 2. Frau Frieda
Menuett → HS007908396
1 Blatt
Originale im Bestand des → Deutschen Literaturarchives Marbach.

Der Übersetzer

Auch dies ist kaum bekannt: Lehmann hat sich als Übersetzer aus dem Niederländischen ins Deutsche bemüht. Leider hatte er keinen Verlag gefunden, der damals den Text in Deutsch verlegen wollte. Der übersetzte Text stammte von „BELCAMPO“, einem Alias für den niederländischen Autor Herman Pieter Schönfeld Wichers (1902-1990) mit dem Titel → Nieuwe Verhalen von 1946, zu Deutsch „Neue Geschichten“.

Der Musiklehrer

Mit 63 Jahren kehrt Lehmann als Musiklehrer an zwei Gymnasien in Hagen-Haspe und Menden ein. Sein Unterricht ist anders als bei dem etablierten Musikkollegium: er hat grenzenlose Freiheit und versucht den jungen Menschen Musik und seine Musik näherzubringen. Für ihn ist das eine neue Herausforderung, die er gerne annimmt. Und bei einigen Schülern und Schülerinnen wird die Begeiesterung für die klassische Msuik gezündet. Am Klavier spielt Lehmann ohne Noten mal eben den 3. Satz aus der Symphony Nr. 9 e-moll „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvorák vor. Da bleibt es still im Raum und die Schüler staunen nur.

Eine Lehrkkraft erinnert sich an eine Unterhaltung im Lehrerzimmer: „Wenn sie sich über Musik unterhielten, konnte es passieren, dass Lehmann eine Arie anstimmte, und Schwester Virgina (die Schulleiterin) schmunzelte.“

Der Initiator

Drei besondere Konzertreihen sind unter der Federführung von Berthold Lehmann entstanden. Bereits nach dem Krieg, im zweiten Jahr seiner Zeit als GMD in Hagen, gab es die Bach-Tage 1950. Das Programm bestand neben einem vielfältigen Angebot zu Johann Sebastian Bach (1685-1750) aus den Werken Johann Pezel (1639-1694) und Georg Friedrich Händel (1685-1759). Insbesondere wurden erstmalig nach dem Krieg Instrumente in historischer Bauweise aus der Sammlung und Werkstatt von Hans E. Hoesch aus Hagen verwendet und von → Ulrich Grehling (Violine), → August Wenzinger (Violoncello und Gambe) sowie → Fritz Neumeyer (Cembalo) für die Musik von Bach in einem ersten Ansatz zur historisch informatierten Spielpraxis verwendet.

Die Konzertreihe "Hagen Musiktage 1964" stand unter dem Motto „Begegnung von Alter und Neuer Musik" und hatte den Schwerpunkt der Vermittlung von Alter und Neuer Musik. Es wurden Werke von folgenden Komponisten gespielt: Andrea Gabrieli, Henry Purcell, Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann, Jean-Jaques Rameau, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Gottfried Heinrich Stölzel und Carl Stamitz als Vertreter der "Alten Musik" und Leoš Janáček, Arnold Schönberg, Béla Bartók, Igor Strawinsky,Arthur Honegger, Paul Hindemith, William Walton, Milko Kelemen und Niccolò Castiglioni als Vertreter der "Neuen Musik".

Für → Niccolò Castiglioni hatte die Stadt Hagen die Komposition „Caractères“ in Auftrag gegeben, die dann am 6. November 1964 in Hagen unter Leitung von Berthold Lehmann uraufgeführt wurde.

Die Konzertreihe "Hagen Musiktage 1968" stand unter dem Motto „Zeitgenossen aus vielen Zeiten" und hatte andere Schwerpunkte. Es wurden Werke von folgenden Komponisten gespielt: Johann Sebastian Bach, Dominik Scarlatti, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Gustav Mahler, Maurice Ravel, Bela Bartok, Arthur Honegger und → Witold Lutoslawski. Von letzterem für das Auftragswerk "Livre pour Orchestre" unter der Leitung von Lehmann am 18. November 1968 in Hagen uraufgeführt.

Zur Einführung on die Konzertreihe vom 3. bis 11. November 1968 hielt Theodor W- Adorno eine Vortrag mit dem Titel "Neue Musik und Tradition", der viel Beachtung fand.


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